Das waren also 4 Monate Norwegen (ja, ja ich weiß, aber ich war noch nie ne sehr fleissige Bloggerin
)Was also seit meinem letzten Blogeintrag geschah:
Johnny kam mich besuchen, beide Male waren unglaublich schön und sehr kuschelig, und ich glaube auch ohne diese beiden Besuche hätte ich die Zeit in Norwegen nicht ausgehalten. Das Wiedersehen war einfach jedes Mal so unglaublich schön, wie Weihnachten als kleines Kind 


Direkt nach dem ersten von Johnnys Besuchen war ich mit einem Bus voller Studenten in Schweden und Finnland. Das war mal ganz interessant, vor allem dass in Finnland die Preise plötzlich alle wieder auf Euro waren, gab mir gleich ein bisschen ein Heimatgefühl
Auch die Zeitverschiebung war ganz lustig, besonders in dem Shoppingcenter das auf der Grenze stand. Ansonsten war die Reise zwar ganz nett, aber das Timing insgesamt eher schlecht, da wir sehr viele Wartezeiten in der Kälte hatten in denen wir auf den Bus warten mussten. Aber: auf dieser Fahrt hab ich es das erste Mal geschafft, in einem Bus einigermaßen gut zu schlafen 




Tromsø an einem schönen Herbstmorgen direkt nach dem Ausflug:


Ansonsten hab ich nicht mehr sehr viel unternommen, immerhin ging es dann auch irgendwann auf die Prüfungen zu und ich hatte einige gesundheitliche Probleme im letzten Monat (direkt nach Johnnys zweitem Besuch)
Immerhin hat das dazu geführt dass ich inzwischen sogar Arztgespräche auf Norwegisch führen kann
Jedenfalls war ich viel öfter bei der Legevakt (das ist sozusagen der Ärztliche Notdienst, zu dem ich als internationale Studentin gehen musste, weil ich nicht lange genug im Land bleibe um Anspruch auf einen “fastlege”, also einen Hausarzt zu haben) als mir lieb war. Medizinisch haben die Norweger die Ruhe weg, auf eine Ultraschalluntersuchung um genau festzustellen was denn nun das Problem ist, musste ich 3 Wochen warten (und das scheint hier ganz normal zu sein)
Die Uni…naja. Wie schon vorher beschrieben, war dies das faulste Semester, das ich jemals hatte. Ich habe noch nie so wenig gebüffelt, selbst wenn man bedenkt dass ich krank war. Immerhin, ich bin sehr stolz dass ich meine 12-Seiten Hausarbeit für die Namensforschung tatsächlich geschrieben habe. Wenn ich eine Hausarbeit auf Norwegisch über ein Thema schreiben kann, das mich nicht die Bohne interessiert, dann kann ich doch eigentlich alles, oder?
Ich glaube die ist noch nicht mal so schlecht geworden. Die anderen beiden Kurse schlossen mit einer Klausur ab. Die erste war Sprachvariation und auch wenn ich zuvor fest davon überzeugt war, durchzufallen, ist diese Sorge vermutlich unbegründet. Die Klausur war so ein Witz dass ich danach erstmal 20 min lang vor mich hin gekichert hatte. Diese Klausur war auf 6 Stunden ausgelegt, gebraucht habe ich etwas mehr als 2 Stunden und das auch nur, weil ich nicht gesehen hatte dass ich entweder Frage 1 oder Frage 2 beantworten soll. Ein wenig beunruhigt mich, ob die Dozentin denn vielseitige Romane über das Thema lesen will oder ob das wirklich eine Witzklausur war. Wenn ich dort so viel gelernt hätte wie ich es in Deutschland normalerweise tue, war ich mir vermutlich ziemlich veralbert vorgekommen.
Die Englisch-Klausur war dagegen angemessener, angelegt auf 4 Stunden habe ich 2,5 Stunden durchgeschrieben bevor ich fertig war. Die war auch vom Anspruch etwas höher, wenn auch für mich verhältnismässig einfach, vor allem da zum Glück fast nur Fragen dran kamen die ich gut beantworten konnte. Die Bereiche aus dem Unterricht, die ich nicht gelernt hatte kamen zum Glück nur als Auswahlfragen dran
Manchmal gehört auch etwas Glück dazu.
Die Dunkelheit ist natürlich auch schon lange angebrochen und die Sonne ging schon lange nicht mehr auf. Diese dunkle Zeit wurde dadurch verlängert, dass wir in den letzten Wochen ziemlich viel Schneematsch und sehr graues Wetter hatten. Überhaupt ist das Wetter recht unbeständig, es schneit immer wieder und taut dann. Am ekligsten ist es, wenn es auf die Schneedecke regnet und es ca 2°C über Null hat. Dann ist alles draussen ein einziger Schneematsch, der es extrem schwierig macht zu laufen. Besonders auf steileren Strecken wie etwa vor und hinter dem Haus. Wenn der Schnee allerdings fest ist und es knapp unter Null grad hat, sodass der Schnee unter den Schuhen knirscht, ist es draussen wunderschön. Ich glaube das ist wirklich mein Lieblingswetter.



Im Übrigen hab ich auch endlich mein erstes Nordlicht gesehen. Es war grün und anfangs eher unscheinbar, mehr wie ein Kondensstreifen von einem Flugzeug, nur in der Nacht. Aber bald wurde daraus ein kräftiges, grünes Glühen, das in einem Band über den Himmel waberte. Dann kam mein Bus und bis ich wieder ausstieg, war das Nordlicht weg. Aber schön wars
Tja das war dann also Norwegen. Die Zeit hier war interessant und ich habe wohl einiges gelernt, aber nach wie vor bleibt mein Ergebnis: ich bin zu alt für Erasmus. Die meisten anderen Studenten waren eben jung und zum ersten Mal weg von zu Hause. Das war bei mir anders. Auch wenn ich die Sprache natürlich besser gelernt habe als vor meinem Aufenthalt, bin ich mir trotzdem absolut sicher, dass Au-pair viel mehr dafür gebracht hat, weil ich einfach viel mehr in der Landessprache sprechen musste und es keine Ausweichsprache gibt. Trotzdem war dieser Aufenthalt mit Sicherheit nicht umsonst und ich bin mir sicher, ich hätte mich immer geärgert wenn ich nicht gegangen wäre
Heimreise
Heute morgen zum Bus zu kommen war eine Sache für sich: draussen lag immernoch ca. 10 cm Schneematsch, da es in der Nacht munter weitergeschneit/geschneeregnet hatte. Das hatte zwar den Vorteil dass der Boden lang nicht mehr so rutschig war wie in den letzten Tagen (immerhin keine mit Wasser bedeckte Eisschicht) aber meinem Koffer hat das nicht so gut gefallen, der hat sich etwas schwer getan in der Rolle eines Schneepfluges. An den wenigen Stellen an denen weniger Schneewasser lag weil ein Auto durch gefahren war, kam dann der wenige gestreute Split zum Einsatz und hat sich in den Rädern verhakt. Ergebnis war, dass ich den Koffer meist tragen musste und alle paar Schritte absetzen. Entsprechend hab ich den Bus verpasst, trotz 10 Minuten Pufferzeit (normal brauch ich 2-3 min, je nach Wetter) Aber das war zum Glück nicht so schlimm, der nächste fuhr 15min später und ich hatte sehr viel Puffer am Flughafen.
Dort angekommen wartete eine positive Überraschung auf mich: der Koffer wog nur 18kg (von erlaubten 20) also hab ich nochmals etwas umgeschichtet und den ganzen Unikram, der sich vorsorglich in meinem Handgepäck befunden hatte, in den Koffer gepackt. Letzterer ging dann nur mit ziehen und zerren zu, aber ich habs’ geschafft und reise jetzt mit einem relativ leichten Handgepäck.
Der Flug nach Oslo war ok, das schöne war, dass die Sonne aufging als wir es dann endlich über die Wolken geschafft hatten
was ziemlich lange dauerte. Hoffentlich läuft der Rest der Reise auch noch so gut, aber zum Glück sind hier in Oslo nur wenige Flüge verspätet und gestrichen wurden noch gar keine (im Gegensatz zu den letzten Tagen in Frankfurt)
Nachtrag: Auch der Flug nach Frankfurt lief wie am Schnürchen, die Norweger wissen eben, wie man mit verschneiten Flugbedingungen umgeht. Auch das Wiedersehen mit Johnny in Frankfurt war ganz unglaublich toll (und nicht nur wegen den Schnitzelweckle, die mir Johnny mitgebracht hat) Jetzt bin ich erstmal sehr sehr froh, wieder zu Hause zu sein, wo die Sonne den ganzen Tag scheint und blendend auf dem Schnee glitzert. Mann ist das hell hier!
…und warum hat das jetzt so lange gedauert mit dem Blogeintrag? Naja, ich hatte den größten Teil dieses Eintrages schon am Flughafen in Oslo geschrieben, trotzdem musste er natürlich nochmals korrigiert und aktualisiert werden, und die Fotos waren auch noch nicht online. Das habe ich ziemlich lange vor mir her geschoben, vor allem weil ich in Tromsø so unglaublich viel Zeit vor meinem Computer verbracht hatte, dass ich ihn einfach nicht mehr sehen konnte
Ich hoffe, dieser Bericht war trotzdem interessant, ab jetzt geht’s dann wieder weiter mit hauptsächlich Perlen, Perlen und nochmals Perlen