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Reste

Ich bin eine Viertelschwäbin (mein Großvater mütterlicherseits war Schwabe, die restlichen Großeltern Badisch). Das kommt manchmal durch wenn ich mich weigere viel Geld auszugeben, oder etwas zu verschwenden. Eine der besten Eigenschaften von Fimo, bzw. Polymer Clay ist, dass es sehr schwierig ist, es wirklich unbrauchbar zu machen. Wenn also eine Cane beispielsweise nicht so geworden ist, wie man das gerne hätte, kann man einfach etwas anderes draus machen. Bisher wurden Reste meist als das Innenleben von anderen Perlen verwendet, als ich aber gestern diese Anleitung fand, dachte ich direkt an meine Eisbox mit zum-experimentieren-freigegebenen Canes:

Diese Cane war ursprünglich ein grünes Blümchen und ein missglücktes Blatt (leider ohne Foto)
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Und das entstand dann daraus
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Das hat mir gleich so gut gefallen, dass ich beschloss, das mit einigen anderen bunten Canes zu versuchen. Das Ergebnis war nicht so Schmetterlingshaft wie der Vorgänger, aber dafür eine wunderbare Basis für eine Kaleidoskopcane.

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Das waren ursprünglich eine Sternencane, ein Fisch, ein zu eckiges Blümchen und das grüne Blümchen aus der Schmetterlingscane.
Da die Canes jedoch zum Teil schon uralt waren (das bunte Blümchen ca. 4 Jahre) war die Reduzierung etwas schwierig und die Canes brachen teils in sich, was dann leider zu einigen Lufttaschen führte. Aber es ist zweifellos die bisher detailierteste Cane, die ich gebaut habe – alles aus Resten!

Drahtiges

Ich habe von meinem liebsten Ehemann zu Weihnachten ein Buch geschenkt bekommen (das ich mir davor gewünscht hatte), nämlich “Faszination Draht” von Tanja Paulus.
Das meiste davon war mir zwar schon mehr oder weniger bekannt, allerdings hat es mir dieses Fischgrätweben angetan, das hab ich dann auch fleissig geübt. Zum Beispiel in diesen Ohrringen hier:
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oder diesem Armband
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Leider geht das mti dem Weben nicht ganz so gut, der Messingdraht aus dem Bastelladen war ziemlich steif und ist oft eher abgebrochen als sich schön um die Perlen zu legen. Auch habe ich leider einige Perlen zum platzen gebracht. Trotzdem sieht das wirklich toll aus. Mit dem falschen Silberdraht gings viel besser, allerdings verfärbt der sich so schnell… ich muss wohl doch in naher Zukunft mal echten Silberdraht bestellen.

Modellierte Cane-blütchen

Manchmal ist das lustig, man hat eine Idee und findet dann jemanden, der es genauso gemacht hat. Jedenfalls hatte ich nach den Steampunk bugs und dem Twittervögelchen die Idee, man könnte ja auch mit Canes modellieren. Blümchen sind da ein sehr dankbares Muster, da man sie relativ einfach beliebig gestalten kann und aus den immer gleichen Teilen bestehen. So entstanden diese beiden Ohrringe

Springflowers Sommerblümchen

(bei den rechten sind die Canes vom Schneiden ziemlich eckig geblieben, die Canes waren aber zu klein um noch viel daran rumzuzupfen (vergl. Größe des Ohrhakens) es war auch schon ziemlich warm, eigentlich zu warm zum fimolieren. Dafür haben die Teile dann auch gut aneinander geklebt.
Jedenfalls wurde ich kurz danach über diesen Post auf PolymerClayDaily auf drei Damen aufmerksam, die das ganz ähnlich machen, wenn auch viel detailierter. Aber sie haben ja auch mehr Übung :D

Ostern

Ich habe vor Ostern Eier gefärbt. Und zwar (fast) ganz traditionell.
Früher hat meine Mutter (so wie ganz früher meine Großmutter) meist weiße Eier mit kleinen, gut strukturierten Blättern und Blüten umwickelt, dann einen kleinen Lappen darum gewickelt und das ganze festgebunden. Dieses Jahr habe ich eine ganz ähnliche Anleitung gefunden, in der man aber alte Nylonstrumpfhosen benutzt. Ausserdem wurde unter anderem Rotkraut zum färben verwendet, was in einer wunderhübschen blauen Farbe resultierte. Das wollte ich natürlich mal ausprobieren:
Vor dem Färben
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Nach dem Färben
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Der kleine Piepmatz ist zur etwa gleichen Zeit entstanden, nach einer Anleitung von hier. Farblich passt er ja ganz gut und bewacht “seine” Eier ;) Seither wurde er zum Twitterbird und sollte mich eigentlich daran erinnern regelmäßig zu tweeten, allerdings kann ich mich mit dem relativ unsozialen Twitter noch nicht gescheit anfreunden. Mir ist Facebook mit den unmittelbaren Antworten lieber. Jedenfalls steht das Vögelchen jetzt meist grinsend auf Johnnys Schreibtisch.
Ach ja und die Eier haben großen Anklang beim Familienostermahl gefunden. Der Aufwandt war sehr viel geringer als ich ihn in Erinnerung hatte, allerdings ist es auch nicht die schnellste Art Eier zu färben. Wenn ich dann irgendwann mal Kinder habe, werde ich das als Tradition trotzdem weiterführen, denke ich.

Winterschlaf?

Tja, sehr fleissig bin ich beim bloggen nicht, das geb ich zu. Hauptsächlich wohl deshalb, weil ich ja immer Fotos von meinen Basteleien machen muss/möchte bevor ich darüber schreibe (sonst ist es ja langweilig). Jedenfalls ist der Winter vorbei und der Frühling auch, und damit auch die Fimozeit. Das klebt bei hohen Temperaturen nämlich unangenehm an den Fingern  und verschmiert. Trotzdem werde ich jetzt in ein paar kurzen Posts zeigen, was ich in der kalten Jahreszeit so gewerkelt habe.

Ringelreihen

Diese Ohrringserie entstand, als mir aufging, dass die Kanten von dünn ausgewalzten und dann aufgerollten Fimoplatten eigentlich ganz hübsch ist. Da diese in der Regel sowieso auf den Restehaufen kommen, habe ich mal welche gerettet. Und dann gleich eine Serie gestartet mit lauter dünnen (Reste-)platten, die ich längs in der Mitte durchgeschnitten habe und dann getrennt aufgerollt. Schnelle runde Ohrringe, für jede Gelegenheit etwas.

Ringelreihen Eistüte DSCI1079 Ringelreihen letzter Schnee Ringelreihen Aqua

Ich studiere Skandinavistik und Anglistik, jeweils mit Schwerpunkt auf der Sprachwissenschaft. Dieses Studium macht sehr viel Spaß und ich lerne viele interessante Dinge, aber mal ehrlich: mit Traumjob oder großer Karriere siehts dabei nicht ganz so rosig aus. Seit ich denken kann habe ich schon viele Karrierepläne in sehr unterschiedlichen Richtungen geschmiedet und genausoviele über den Haufen geworfen. Davon blieb oft nicht viel übrig, ausser die Erfahrungen, die ich dabei wie ein Hamster gesammelt habe, und siehe da: alles ist irgendwann für irgendetwas gut.

Eigentlich möchte ich hier nicht auf meine berufliche Zukunft eingehen, aber was bleibt: ähnlich wie bei der Karriere war das bisher bei mir auch mit der Bastlerei. Ich habe viel ausprobiert, verschiedene Medien erforscht, alles was einfach zu haben war ausprobiert (denn schwäbisch-geizig bin ich auch) Während ich früher dachte, die Grundlage aller Kunst ist das Malen und Zeichnen, weiß ich heute dass beides einfach nicht meins ist, mich das nicht dauerhaft fesseln kann. Vor allem das Malen mit Farbe fiel mir immer sehr schwer. Kein Wunder also dass ich auch jetzt bei der Arbeit mit Fimo ersteinmal mein Farbgespür schärfen und trainieren muss. Und doch, ich hatte noch nie so viel Lust darauf und Spaß daran mit Farben umzugehen wie jetzt und plötzlich ist alles nicht mehr so schwierig. Da ich auch eigentlich nur für mich selbst “produziere” muss nicht alles perfekt sein, wenn eine Serie misslingt dann benutze ich sie eben als Experimentiergrundlage für zB verschiedene Lacke. Das ist schoneinmal befreiend.

Auch die Sammlerei ist im Leben ähnlich wie bei den Perlen. Ich habe eine durchaus ansehnliche (wenn natürlich trotzdem noch viel zu kleine ;) ) Perlensammlung. Manchmal liegen Perlen ungenutzt Jahrelang in ihren kleinen Schubfächern und warten auf bessere Zeiten, weil ich mich nicht entscheiden kann wie (und ob) ich sie einsetzen kann. Und dann kommt ein Projekt und plötzlich passen diese Perlen ganz genau da dazu. Wie zum Beispiel die lila Holzperlen in dieser Kette (Foto folgt)

Fimo bzw. Polymer Clay ist ein sehr dankbares Medium. Man kann so viele verschiedene Dinge damit machen, kann Perlen basteln (so wie ich) oder Skulpturen erschaffen, Dinge verschönern oder versuchen, etwas mit praktischem Nutzen herzustellen (oder natürlich alles miteinander). Bisher immitiere ich vor allem Werke, die ich bei anderen Künstlern gesehen habe, trainiere die Techniken und versuche herauszufinden, was wie funktioniert. Meinen ganz eigenen Stil zu finden wird wohl noch etwas dauern, im Moment habe ich einfach noch Lust nach dem Vorbild anderer meine eigene Version des Gesehenen zu schaffen, denn beim Basteln ist es bei mir ähnlich wie beim Kochen: grob ans Rezept halten und dann nach eigenem Ermessen anpassen. Vielleicht werde ich niemals etwas ganz Originales schaffen, aber da ich ja auch keine hauptberufliche Künstlerin bin, ist das, denke ich, schon ok.

So bleiben trial and error und die Lust am Experimentieren. Vielleicht werde ich demnächst anfangen Skulpturen zu schaffen? Auch das war eigentlich nie so wirklich mein Ziel oder eine Arbeitsmethode mit der ich mich wohl gefühlt hab (vielleicht hats deswegen auch mit der Zahntechnik nicht geklappt?) aber diese kleinen Käfer hier nach dem kostenlosen Tutorial “Steampunk bug” von Christi Friesen mit einem kleinen Steampunk-twist haben mir wirklich Lust auf mehr gemacht.

Steambug
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Wo ich also landen werde? Das ist weder in beruflicher, noch in künstlerischer Hinsicht sicher. Vermutlich wird es ein landen und immer-mal-wieder-durchstarten-und-woanders-hinfliegen werden. Aber wie heisst es so schön: der Weg ist das Ziel

Cane-slicer

Seit ich wieder zu Hause bin, habe ich sehr viel mit Fimo gebastelt. Was mich schon lange genervt hatte am Arbeiten mit Canes: ich bin einfach zu ungeschickt um gleichmäßige, hauchdünne Canescheibchen zu schneiden. Also hab ich mir einen Cane-slicer gebaut:
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er funktioniert sogar, vor allem bei größeren Canes (die auch mein Hauptproblem waren), nur mit dem festhalten der Cane muss ich mir noch was überlegen

Das war’s

Das waren also 4 Monate Norwegen (ja, ja ich weiß, aber ich war noch nie ne sehr fleissige Bloggerin ;) )Was also seit meinem letzten Blogeintrag geschah:

Johnny kam mich besuchen, beide Male waren unglaublich schön und sehr kuschelig, und ich glaube auch ohne diese beiden Besuche hätte ich die Zeit in Norwegen nicht ausgehalten. Das Wiedersehen war einfach jedes Mal so unglaublich schön, wie Weihnachten als kleines Kind ;)
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Direkt nach dem ersten von Johnnys Besuchen war ich mit einem Bus voller Studenten in Schweden und Finnland. Das war mal ganz interessant, vor allem dass in Finnland die Preise plötzlich alle wieder auf Euro waren, gab mir gleich ein bisschen ein Heimatgefühl :D Auch die Zeitverschiebung war ganz lustig, besonders in dem Shoppingcenter das auf der Grenze stand. Ansonsten war die Reise zwar ganz nett, aber das Timing insgesamt eher schlecht, da wir sehr viele Wartezeiten in der Kälte hatten in denen wir auf den Bus warten mussten. Aber: auf dieser Fahrt hab ich es das erste Mal geschafft, in einem Bus einigermaßen gut zu schlafen :)
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Tromsø an einem schönen Herbstmorgen direkt nach dem Ausflug:
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Ansonsten hab ich nicht mehr sehr viel unternommen, immerhin ging es dann auch irgendwann auf die Prüfungen zu und ich hatte einige gesundheitliche Probleme im letzten Monat (direkt nach Johnnys zweitem Besuch)
Immerhin hat das dazu geführt dass ich inzwischen sogar Arztgespräche auf Norwegisch führen kann :D Jedenfalls war ich viel öfter bei der Legevakt (das ist sozusagen der Ärztliche Notdienst, zu dem ich als internationale Studentin gehen musste, weil ich nicht lange genug im Land bleibe um Anspruch auf einen “fastlege”, also einen Hausarzt zu haben) als mir lieb war. Medizinisch haben die Norweger die Ruhe weg, auf eine Ultraschalluntersuchung um genau festzustellen was denn nun das Problem ist, musste ich 3 Wochen warten (und das scheint hier ganz normal zu sein)

Die Uni…naja. Wie schon vorher beschrieben, war dies das faulste Semester, das ich jemals hatte. Ich habe noch nie so wenig gebüffelt, selbst wenn man bedenkt dass ich krank war. Immerhin, ich bin sehr stolz dass ich meine 12-Seiten Hausarbeit für die Namensforschung tatsächlich geschrieben habe. Wenn ich eine Hausarbeit auf Norwegisch über ein Thema schreiben kann, das mich nicht die Bohne interessiert, dann kann ich doch eigentlich alles, oder? ;) Ich glaube die ist noch nicht mal so schlecht geworden. Die anderen beiden Kurse schlossen mit einer Klausur ab. Die erste war Sprachvariation und auch wenn ich zuvor fest davon überzeugt war, durchzufallen, ist diese Sorge vermutlich unbegründet. Die Klausur war so ein Witz dass ich danach erstmal 20 min lang vor mich hin gekichert hatte. Diese Klausur war auf 6 Stunden ausgelegt, gebraucht habe ich etwas mehr als 2 Stunden und das auch nur, weil ich nicht gesehen hatte dass ich entweder Frage 1 oder Frage 2 beantworten soll. Ein wenig beunruhigt mich, ob die Dozentin denn vielseitige Romane über das Thema lesen will oder ob das wirklich eine Witzklausur war. Wenn ich dort so viel gelernt hätte wie ich es in Deutschland normalerweise tue, war ich mir vermutlich ziemlich veralbert vorgekommen.
Die Englisch-Klausur war dagegen angemessener, angelegt auf 4 Stunden habe ich 2,5 Stunden durchgeschrieben bevor ich fertig war. Die war auch vom Anspruch etwas höher, wenn auch für mich verhältnismässig einfach, vor allem da zum Glück fast nur Fragen dran kamen die ich gut beantworten konnte. Die Bereiche aus dem Unterricht, die ich nicht gelernt hatte kamen zum Glück nur als Auswahlfragen dran :) Manchmal gehört auch etwas Glück dazu.

Die Dunkelheit ist natürlich auch schon lange angebrochen und die Sonne ging schon lange nicht mehr auf. Diese dunkle Zeit wurde dadurch verlängert, dass wir in den letzten Wochen ziemlich viel Schneematsch und sehr graues Wetter hatten. Überhaupt ist das Wetter recht unbeständig, es schneit immer wieder und taut dann. Am ekligsten ist es, wenn es auf die Schneedecke regnet und es ca 2°C über Null hat. Dann ist alles draussen ein einziger Schneematsch, der es extrem schwierig macht zu laufen. Besonders auf steileren Strecken wie etwa vor und hinter dem Haus. Wenn der Schnee allerdings fest ist und es knapp unter Null grad hat, sodass der Schnee unter den Schuhen knirscht, ist es draussen wunderschön. Ich glaube das ist wirklich mein Lieblingswetter.
Schnecke im WinterSchneeketten am BusAussicht aus meinem Zimmer
Im Übrigen hab ich auch endlich mein erstes Nordlicht gesehen. Es war grün und anfangs eher unscheinbar, mehr wie ein Kondensstreifen von einem Flugzeug, nur in der Nacht. Aber bald wurde daraus ein kräftiges, grünes Glühen, das in einem Band über den Himmel waberte. Dann kam mein Bus und bis ich wieder ausstieg, war das Nordlicht weg. Aber schön wars :)

Tja das war dann also Norwegen. Die Zeit hier war interessant und ich habe wohl einiges gelernt, aber nach wie vor bleibt mein Ergebnis: ich bin zu alt für Erasmus. Die meisten anderen Studenten waren eben jung und zum ersten Mal weg von zu Hause. Das war bei mir anders. Auch wenn ich die Sprache natürlich besser gelernt habe als vor meinem Aufenthalt, bin ich mir trotzdem absolut sicher, dass Au-pair viel mehr dafür gebracht hat, weil ich einfach viel mehr in der Landessprache sprechen musste und es keine Ausweichsprache gibt. Trotzdem war dieser Aufenthalt mit Sicherheit nicht umsonst und ich bin mir sicher, ich hätte mich immer geärgert wenn ich nicht gegangen wäre :)

Heimreise
Heute morgen zum Bus zu kommen war eine Sache für sich: draussen lag immernoch ca. 10 cm Schneematsch, da es in der Nacht munter weitergeschneit/geschneeregnet hatte. Das hatte zwar den Vorteil dass der Boden lang nicht mehr so rutschig war wie in den letzten Tagen (immerhin keine mit Wasser bedeckte Eisschicht) aber meinem Koffer hat das nicht so gut gefallen, der hat sich etwas schwer getan in der Rolle eines Schneepfluges. An den wenigen Stellen an denen weniger Schneewasser lag weil ein Auto durch gefahren war, kam dann der wenige gestreute Split zum Einsatz und hat sich in den Rädern verhakt. Ergebnis war, dass ich den Koffer meist tragen musste und alle paar Schritte absetzen. Entsprechend hab ich den Bus verpasst, trotz 10 Minuten Pufferzeit (normal brauch ich 2-3 min, je nach Wetter) Aber das war zum Glück nicht so schlimm, der nächste fuhr 15min später und ich hatte sehr viel Puffer am Flughafen.
Dort angekommen wartete eine positive Überraschung auf mich: der Koffer wog nur 18kg (von erlaubten 20) also hab ich nochmals etwas umgeschichtet und den ganzen Unikram, der sich vorsorglich in meinem Handgepäck befunden hatte, in den Koffer gepackt. Letzterer ging dann nur mit ziehen und zerren zu, aber ich habs’ geschafft und reise jetzt mit einem relativ leichten Handgepäck.
Der Flug nach Oslo war ok, das schöne war, dass die Sonne aufging als wir es dann endlich über die Wolken geschafft hatten :) was ziemlich lange dauerte. Hoffentlich läuft der Rest der Reise auch noch so gut, aber zum Glück sind hier in Oslo nur wenige Flüge verspätet und gestrichen wurden noch gar keine (im Gegensatz zu den letzten Tagen in Frankfurt)
Nachtrag: Auch der Flug nach Frankfurt lief wie am Schnürchen, die Norweger wissen eben, wie man mit verschneiten Flugbedingungen umgeht. Auch das Wiedersehen mit Johnny in Frankfurt war ganz unglaublich toll (und nicht nur wegen den Schnitzelweckle, die mir Johnny mitgebracht hat) Jetzt bin ich erstmal sehr sehr froh, wieder zu Hause zu sein, wo die Sonne den ganzen Tag scheint und blendend auf dem Schnee glitzert. Mann ist das hell hier!

…und warum hat das jetzt so lange gedauert mit dem Blogeintrag? Naja, ich hatte den größten Teil dieses Eintrages schon am Flughafen in Oslo geschrieben, trotzdem musste er natürlich nochmals korrigiert und aktualisiert werden, und die Fotos waren auch noch nicht online. Das habe ich ziemlich lange vor mir her geschoben, vor allem weil ich in Tromsø so unglaublich viel Zeit vor meinem Computer verbracht hatte, dass ich ihn einfach nicht mehr sehen konnte ;) Ich hoffe, dieser Bericht war trotzdem interessant, ab jetzt geht’s dann wieder weiter mit hauptsächlich Perlen, Perlen und nochmals Perlen :)

Kuriositäten

in Tromsø

  • haben die Winterreifen der Autos kleine Spikes, damit sie im Schnee und Eis nicht rutschen (das ist auch dringen nötig)
  • die gibt es auch als Gummi-überzieher mit Eisenspikes dran, für die Schuhe
  • Busse haben zusätzlich das ganze Jahr über einen Bottich mit Schneeketten an der hinteren Eingangstüre stehen (bei den steilen Straßen braucht man die glaub ich auch)
  • hier sind die Gehwege im Zentrum und an der Uni leicht beheizt, um sie Schnee- und Eisfrei zu halten (Norwegen hat das Geld ja)
  • ansonsten wird aber nicht gestreut, weder Salz noch Split –update– doch inzwischen schon Split, aber sehr sparsam.

an der Uni

  • suchen die Dozenten einem Sekundärliteratur für eine Hausarbeit!
  • gibt es jetzt ein Café mit Tageslichtlampen um Winterdepressionen entgegen zu wirken
  • plätschert der Brunnen in der “Schnecke” auch bei Minusgraden munter weiter

in Norwegen

  • ist Majonaise-Kartoffelsalat offenbar sehr beliebt. Überall. Auch auf allen Sandwiches aus der Kantine.

hmm eigentlich hatte ich mal eine ganze Liste die ich hier schreiben wollte, der Post wird also noch fortgeführt werden ;)

der erste Monat in Norwegen

In der ersten Nacht wurde es noch gar nicht richtig dunkel, das hat sich inzwischen geändert. Der Tag wird täglich um 10 Minuten kürzer und das merkt man deutlich. Die Sonne scheint morgens um 6 noch in mein Zimmer, da es aber Richtung Norden geht werde ich vermutlich bald gar keine Sonne mehr haben. Trotzdem ist das Schauspiel aus meinem Zimmer nicht langweiliger geworden. Anfangs waren die Berge unten herum noch saftig grün, jetzt ist der Herbst angekommen. Im Moment wechseln sich grüne mit roten und gelben Schattierungen ab, auf dem Boden wachsen alle möglichen Beeren und die Gräser leuchten in bunten Farben. Vorgestern gab es Nachts auch die ersten Nordlichter, die habe ich aber leider verpasst. (Facebook hat mich am nächsten Morgen darüber informiert) Dafür lag morgens Nebel über dem Meer, auf den die Sonne schien und ihn in einem unwirklichen Silberlicht zum leuchten gebracht hat.
Nach der Party - 7.8.2010Aussicht im SeptemberMein Hausberg im SeptemberØrndalen von oben

Natürlich hat auch die Uni schon längst gestartet. Die Kurse sind eher enttäuschend, alle drei sind ziemlich langweilig. Das Tempo und der Anspruch sind eher gering, dafür müssen wir sehr viel lesen.
Der Kurs über Namensforschung wird von einer sehr von ihrem Fach begeisterten Dozentin gehalten, leider schafft sie es aber nicht, diese Begeisterung auf uns zu übertragen. Vor der Hausarbeit, die ich hier schreiben muss graut es mir ziemlich. Aber das Tempo ist eher gemächlich, im Unterricht wird immer zusammengefasst was wir zu Hause lesen sollten, es besteht also nicht die Gefahr abgehängt zu werden. Immerhin hat unsere Dozentin einen schönen und gut verständlichen Nord-norwegischen Akzent und kommt von Kvaløya, der Nachbarinsel.
Der Kurs über Sprachvariation und Schriftspachnormierung war eigentlich meine große Hoffnung und ist auch jetzt noch der interessanteste Kurs, aber auch hier bin ich regelmäßig kurz vorm Einschlafen. Es ist auch sehr Vorlesungshaft und das meiste, was wir bisher gemacht haben, wusste ich schon vorher oder hab ich zumindest schonmal gehört (bis auf ein paar konkrete Beispiele)
Englisch ist auch nicht besser, hier geht es um die Geschichte des Englischen. Blöderweise bleiben wir aber auch hier ziemlich an der Oberfläche, und alles was wir machen, hatte ich schon im 2. Semester in Diachronic Linguistics (und dort um einiges ausführlicher). Das Beste an diesem Kurs ist, dass wir relativ viele Norweger sind und letztes Mal bei der Gruppenarbeit haben wir uns in meiner Gruppe auch echt gut unterhalten.
Weiterhin bin ich inzwischen im TAKK, dem Tromsø Akademisk Kvinne Kor, also dem Tromsø Akademischen Frauenchor, der mich vom Anspruch und der Art ziemlich an den Schulchor erinnert, aber eigentlich ist es da ganz lustig und ich komm endlich auch dazu ein paar Sätze norwegisch zu reden. Leider hält sich das nämlich ziemlich in Grenzen. Aber das Verstehen läuft immer besser, während ich in den ersten Wochen bei längeren Vorträgen immer wieder abgedriftet bin um das Gehörte zu verarbeiten, passiert das jetzt kaum noch (und wenn dann ist die Langeweile schuld) So sieht die Uni übrigens aus:
Die Schnecke

Die Wohnsituation ist inzwischen so: Ich wohne mit einer Chinesin im Zimmer nebenan, uns gegenüber wohnt die einzige Norwegerin, aus Trondheim. Leider spreche ich mit ihr kaum Norwegisch, erstens weil es eh sehr schwer ist sich mit ihr zu unterhalten (sie antwortet nur sehr einsilbig und ist sehr ruhig uns zurückhaltend, scheint aber durchaus nett zu sein) und zweitens hat sich jetzt hier durch die ganzen Nationalitäten das Englische schon so automatisch etabliert, dass ich sie immer versehentlich auf englisch anspreche und sie dann auch so antwortet. Unter uns wohnen die Jungs, ein Russe (der immer! in Boxershorts rumläuft) ein Ungar und ein Nigerianer (mit ihm hab ich eigentlich am meisten Kontakt und er ist auch ein wirklich netter Kerl) Insgesammt sind die Mitbewohner wirklich nett, aber wir haben nicht viel miteinander zu tun, kurze Zusammentreffen in der Küche und dann ein paar Takte reden, darauf beschränkt es sich eigentlich. Seit wir einen Putzplan haben ist das auch kein Problem mehr ;)

Letzte Woche waren meine Eltern zu Besuch, das war relativ spontan geplant worden, da alle ihre anderen Ausflugspläne aus dem einen oder anderen Grund ins Wasser gefallen waren. Es war schön die beiden hier zu haben, sie haben in einer Hütte auf dem Campingplatz gewohnt und ich war jeden Tag mindestens für ein paar Stunden dort. Meine Mutter konnte leider nicht so viel wandern, da sie Probleme mit den Füßen hatte, dafür hat mein Vater sich richtig ausgetobt in den Bergen rund um Tromsø. Auf zwei Wanderungen war ich mit dabei, beide Male natürlich mit dem obligatorischen Querfeldein. Das zweite Mal sind wir aber auf einem gestrichelten Wanderweg gegangen, was bedeutet, dass es keinen Weg gab und wir viel klettern und einen Weg suchen mussten, immer den Rentierspuren nach. Dafür haben wir auch 3 Rentierherden gesehen und ein Abenteuer erlebt :) Die ganze Woche wurde ich wunderbar mit abwechslungsreichen Gerichten versorgt (Essen ist hier sehr teuer, vor allem Fleisch) wir hatten mehrmals Fisch, einmal frisch geangelt von einem Spanier und einem Italiener, die viel zu viel gefangen hatten. Ausserdem haben sie mir noch einige Gewürze hier gelassen, die ich sehr gut gebrauchen kann! Es war eine sehr gemütliche und schöne Woche auch wenn ich nur wenig für die Uni geschafft habe, aber da die Motivation hier eh ziemlich gering ist, fiel das eigentlich auch nicht weiter ins Gewicht.
WollgrasDSCI0725Oben auf dem BergDSCI0731

In meiner Freizeit rede ich sehr viel Deutsch, was ein bisschen schade ist. Ich unternehme viel mit Kathrin und Astrid (eine Pharmazie-studentin aus Freiburg, die hier grade ein Praktikum macht) und ansonsten skype ich natürlich jeden Tag mindestens eine Stunde mit Johnny. Beides ist auch wichtig, denn Johnny vermisse ich natürlich ganz unglaublich und ich werde auf keinen Fall jemals wieder einen so langen Auslandsaufenthalt machen! Die Trennung ist für uns beide schwierig, aber zeigt uns auch was wir an einander haben und wie stabil unsere Beziehung doch ist, was ja ein gutes Zeichen ist. In zwei Wochen wird er mich auch endlich zum ersten Mal besuchen kommen und dann ist die längste Zeit schon überstanden. Trotzdem freue ich mich unglaublich darauf wieder zurück nach Freiburg zu kommen!

Zu den Fotos: einfach draufklicken wenn du sie größer sehen willst, du wirst dann zu flickr weitergeleitet, wo es auch noch mehr Bilder gibt ;)

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