Die Reise nach Tromsø (und Ankunft)
4. August 2010 von Zita
die Reise nach Tromsø
Nach einer kurzen und eher unruhigen Nacht klingelt also morgens um 5 der Wecker. Die letzten Sachen gepackt, Brote gerichtet, und los ging’s! Der Zug fuhr in Freiburg um kurz vor 7 ab, leider war mich nicht klar gewesen, dass ich in Mannheim umsteigen musste. Der Abschied in Freiburg war nicht zu schlimm, die Aufregung war dann doch größer und so ganz habe ich wohl auch noch nicht realisiert, dass ich wirklich 4 ganze Monate und noch ein paar Tage weg sein werde. Aber ausser einem frisch am Morgen verknacksten Rücken (zum Glück nicht schlimm) und sehr vollen Zügen, an denen ich beide Male Leute von meinem Platz verscheuchen musste, lief auch alles glatt. Ich war sehr nervös, sehr aufgeregt und in Mannheim wäre ich am liebsten wieder in den Zug zurück gestiegen. Glücklicherweise legte sich auch das dann endlich als ich am Flughafen war, Kathrin direkt nach mir ankam und wir so den ganzen check-in in Angriff nehmen konnten.
Erstmal muss man in Frankfurt inzwischen direkt über Computerterminals einchecken. Dort gibt man die Reservierungsnummer ein und bekommt dann den Boarding-pass. Damit geht man dann zur Gepäckaufgabe. Soweit so gut und eigentlich nicht sonderlich schwierig. Blöderweise wussten wir aber, dass wir in Oslo neu einchecken müssen (wegen des Zolls) und deshalb waren wir uns nicht sicher ob wir dann das Gepäck bis Oslo oder gleich bis Tromsø einchecken müssen. Beide Optionen waren möglich. Die Dame die wir dann zu Hilfe geholt hatten konnte diese Frage zwar klären, hat aber in ihrem Eifer etwas zu schnell auf der Anzeige rumgetippt, sodass wir dann beide weder einen Fensterplatz, noch zusammen sitzen konnten. Angeblich sollten wir das aber bei der Gepäckabgabe ändern können. Die Dame dort konnte das auch, aber leider nur für den Flug bis Oslo, danach müssten wir die Mitarbeiter vor Ort kontaktieren. Wir haben also unser Gepäck eingecheckt (mein Koffer hatte genau 20,0kg) haben noch einen Abstecher zum Übergepäckschalter gemacht (für Kathrin) uns auf den Weg zur Sicherheitskontrolle gemacht und dort erst mal ewig gewartet. Die Mitarbeiter vom Sicherheitscheck in Terminal B waren nämlich grade fast alle in der Mittagspause und so war die Schlange sehr sehr lang und sehr sehr langsam. Aber auch das ging vorbei. Dafür mussten wir dann am Gate nicht so lange warten. Der Flieger kam auch direkt nach uns am Gate angerollt, er stand direkt vor dem Fenster und war demnach sehr fotogen.

Der Flug nach Oslo war unspektakulär, Kathrin saß am Fenster direkt über dem Flügel, ich daneben. Die Luft war sehr schlecht und wurde während des Fluges nicht besser. Leider konnte man nicht sehr viel sehen, nur gelegentlich blitzte etwas Landschaft durch die vielen Wolken durch, nach Norden jedoch immer weniger. Erst im Landeanflug auf Oslo war die Landschaft wieder sichtbar. Was als erstes auffiel, waren die vielen Bäume. Bei uns sind viel mehr Felder dazwischen als in Oslo und meistens stehen die Bäume auch eher auf den Bergen als im Flachland. Ansonsten waren die Berge eher rundlich und verglichen mit unsren Erwartungen auch eher hügelig. Die Aussicht am Flughafen erinnerte uns sehr an den Schwarzwald.
Der Flughafen in Oslo hat ein sehr schönes Design, sehr viel Holz und geschwungene Formen mit runden Fenstern und viel Glas dazwischen. Das Holz hat die Stahl-Glas-Konstruktion sehr lebendig und fast heimelig gemacht, ein tolles Vorbild finde ich. Fotos haben wir hier keine gemacht, wir waren zu aufgeregt wie das jetzt mit dem Umsteigen klappt.
Tatsächlich mussten wir unser Gepäck abholen und damit durch den Zoll. Glücklicherweise waren die Gepäckstücke sehr schnell auf dem Band und das Abholen ging sehr flott. Beim Zoll musste man auch einfach nur durchlaufen. Dann kam das neu-einchecken. Auch das sehr schnell und unkompliziert, eine nette Dame wies uns den Weg, nur Kathrins Wanderrucksack musste zum Spezialgepäck check-in. Leider erfuhren wir hier aber auch, dass es keine Sitzplätze mehr nebeneinander gab für den Flug nach Tromsø. Naja, der Check-in lief also reibungslos und ziemlich schnell, danach zum Spezialgepäck wo es eine Extraschlange für SAS Kunden gab (zu denen wir gehörten) mit einem Mitarbeiter, der im grauen T-Shirt ganz gemütlich grade vesperte. Ist das die berühmte skandinavische Lockerheit? Wir werden sehen! Nach einem Abstecher zum Geldautomaten/Wechselschalter waren wir dann endlich auch mit Norwegischen Kronen ausgestattet und waren auf der Suche nach Getränken (die mussten in Frankfurt bleiben und auf dem Flug gab es nichts) und Essen, da wir beide inzwischen sehr hungrig und durstig waren. Wir fanden beide je ein leckeres Brötchen (Kathrins wurde erwärmt, was viel länger dauerte als wir gedacht hätten) und bis wir dann versorgt waren stand auf der Anzeigetafel hinter unserem Flug schon “go to Gate” Die Brötchen wurden uns auf Tellern serviert, also beschlossen wir, dass wir dann eben schnell essen mussten. Als wir zu 2/3 fertig waren blinkte dann die Anzeige mit “boarding” Die letzten Bissen wurden also runtergeschlungen, der Besuch auf den Toiletten auch verschoben und wir machten uns im Laufschritt auf zum Gate. Glücklicherweise ist der Osloer Flughafen nicht sehr groß und die Schlange ziemlich lang, wir waren bei weitem nicht die letzten.
Auf dem Flug nach Tromsø saß ich dann am Fenster über dem Flügel, Kathrin zwei Reihen hinter mir am Gang. Das Flugzeug war fast genau das gleiche Modell. Auch auf diesem Flug gab es wenig zu sehen, ausser sehr abwechslungsreiche Wolkengebirge. Hier lohnte sich aber der Landeanflug, zwar auch durch dicke Wolken, aber am Meer waren dann doch schon einige schwarze scharfkantige Berge zu sehen, die auch so gelegentlich aus den tieferen Wolkenschichten herausragten. Der Sinkflug zwischen den eindrucksvoll hohen und kargen Bergen durch auf die Insel zu vermittelte schonmal einen ersten Eindruck. Die Farben sehr grau-braun-grün und viel Geröll, dazwischen von Wildbächen gegrabene Furchen, keinerlei hoher Bäume. Nass und karg, aber auch grün und geheimnisvoll. Ein bisschen erinnerte mich das an die Alpen oder auch an Connemara in Westirland.
Gepäckstücke waren alle angekommen, den Schlüssel bekamen wir vom Empfangskomitee der Uni, die einen nicht zu übersehenden Stand in der Terminal/Ankunfts/einzigen Halle hatten. Zum ersten Mal schnupperten wir also echte norwegische Luft. Sie war angenehm frisch, kühl und feucht (wir waren beide warm angezogen mit unseren Winterjacken und Pullis und hatten bis dahin überall geschwitzt). Ein anderes Mädel wollte auch nach Ørndalen und da der Bus grade weg war, haben wir uns ein Taxi geteilt. Zur Musik von “Bullet vor my Valentine” ging’s dann also einmal über den Inselberg und ganz in den Norden der Tromsøinsel mit Kommentaren des Taxifahrers wo die Uni ist, wo der Supermarkt ist und warum so viele Leute auf dem Festland wohnen.
An meinem Wohnheimshaus angekommen (es ist ein gelbes Holzhaus fast ganz oben auf dem Berg) traf ich zuerst zwei junge schwarze Männer, die an zwei Autos herumschraubten. Der eine stellte sich später als mein Mitbewohner heraus und heisst James. Direkt hinter mir kam ein junger Mann mit langen blonden Haaren angestürmt und stellte sich als Bernhard vor, er ist der Manager von Ørndalen und drückte mir Busfahrpläne in die Hand, erklärte wo der Müll hin kommt und überprüfte mit mir ob der Schlüssel passt (das Schloss ist etwas fummelig). Drinnen traf ich dann auch gleich auf Nan, meine chinesische Mitbewohnerin, die mir zeigte wo mein Zimmer ist.
Das Wohnheim
Das Wohnheim entpuppte sich als extremer als ich es mir vorgestellt hatte, in beide Richtungen. Mein Zimmer (so wie alles andere) versprüht den Charme einer Jugendherberge, alles sehr sehr schlicht und robust, die Wände in weißer Ölfarbe gestrichen, Linoleumboden in hellgrau karo-meliert, die Tür ebenfalls hellgrau, die Stühle im Behördenstil mit robustem rosa-hellgrauem Bezug. Ein Schreibtisch, ein Bücherregal, ein Wandschrank, ein Tischchen und ein extrem weiches Bett mit immerhin einer Fleecedecke darauf sind die Einrichtung.
Sehr gefreut habe ich mich darüber, dass einem meiner Wünsche entsprochen wurde: ich habe einen wirklich super genialen Blick aus meinem Fenster. Ich glaube es ist eine der schönsten Aussichten im Wohnheim, wahrscheinlich der ganzen Insel. Wenn ich an meinem Schreibtisch sitze, sehe ich nicht einmal den Parkplatz vor dem Haus, sondern nur die roten Häuser vom Wohnheim gegenüber, dahinter die Wipfel von ein paar kleinen Bäumen und dann das Meer. Tromsø liegt auf einer Insel im Meer, aber es ist umgeben von viel größeren Halbinseln die weiter ins Meer ragen, und so ist das offene Meer gar nicht sichtbar, aber eine Ahnung davon bekomme ich hier doch. Hinter dem Wasser ragen also die rauen spitzen Berge der anderen Halbinsel auf, schwarzgrün mit Geröllfeldern in den oberen Hälfte, in einigen Spalten liegt Schnee. rechts erstreckt sich das Tromsø Festlandmit ein paar flachen grünen Wiesen ins Meer, darauf befinden sich einige Bäume und Häuser und links fällt unsere Insel langsam zum Meer ab, mit vielen buschartigen Bäumen bewachsen und weißgrauen Felsen.


Der Rest des Wohnheimes ist eher gruselig, vor allem das Bad. Wahrscheinlich bin ich einfach verwöhnt von unserer schönen Wohnung in Freiburg, aber im Bad wird wohl niemand mehr Zeit als unbedingt nötig verbringen. Es riecht nach Schimmel, in der Ecke stehen (volle) Putzeimer und die Dusche befindet sich in einer Ecke des Raumes, ohne Wanne nur mit einem von Haaren versifften Abfluss. Abgetrennt wird sie durch einen Vorhang, der aber sehr knapp ist, entsprechend ist das Bad nach einer Dusche komplett verspritzt und überschwemmt. Ich bin extrem froh, dass ich meine Badeflipflops mitgenommen habe!